Kostenprobleme treten immer dann auf, wenn sich Unwissen, Neugierde und exzessive Handynutzung treffen. Manchmal wird man tatsächlich auch irregeführt und damit letztendlich unwissend gehalten. Sehen Sie sich mal auf Fernsehsendern, die Kinder und Jugendliche bevorzugen, die unterschiedlichen Angebote rund um das Handy an. Achten Sie auf die Preisauszeichnungen. Können Sie in jedem Fall erkennen, was ein Spiel, Klingelton oder Bild tatsächlich kostet? Oder sehen Sie, wie man ein Abo kündigen kann?

Oder nehmen Sie sich mal in Ruhe die vielen verschiedenen Tarife vor. Können Sie erkennen, welcher Tarif günstig ist? Bei dieser Frage verweisen die Mobilfunkanbieter immer auf Sie wieder zurück und meinen, es komme auf das eigene Nutzungsverhalten an. Einfacher wird es aber nicht wirklich. Man findet immer wieder in einzelnen Tarifen ein aber. Beispielsweise die in der Werbung für Kinder geeigneten Tarife TeenCard oder Juniorkarte sollten genauer betrachtet werden. Ist Ihr Kind bisher mit einer Prepaidkarte für 15,- Euro drei, vier Monate ausgekommen, wäre ein Umstieg in einen solcher Tarife ein zusätzlicher Kostenfaktor, weil Sie ein monatlich zugewiesenes Budget nicht verfallen lassen möchten.

Die Discountanbieter haben für Jugendliche interessante, preisgünstige SMS-Gebühren. So lange es klappt, ist alles in Ordnung. Will ich aber den Kundenservice in Anspruch nehmen, muss ich viele Abstriche hinnehmen oder teure Hotlines nutzen. Spart man hier unterm Strich wirklich?

Der Kunde bestimmt die Preise. Das ist sicher linear nicht wirklich auf Sie persönlich zutreffend. In der Masse gesehen ist es aber schon so. Wenn also viel bezahlt wird, muss der Anbieter sich nicht drehen. Und Deutschland ist kein günstiges Handyland.

Besonders junge Erwachsene, die gerade 18 Jahre alt ihre erste Wohnung nehmen, ihr erstes eigenes Auto unterhalten und eben auch ihren ersten eigenen Handyvertrag haben, um attraktivere Handys zu besitzen, sind besonders gefährdet. Schuldnerberatungsstellen und Verbraucherschützer warnen deshalb zu recht vor der so genannten Kostenfalle Handy. Die Verführung, im Rahmen der Handynutzung ist groß, Angebote gibt es viele, sie werden emotionalisiert beworben und sprechen aktuelle Bedürfnisse junger Menschen an wie Liebe, Freundschaft, Partnerschaft und Sexualität.

Auch junge Handynutzer, v.a. Handynutzerinnen sind kaum zu stoppen, wenn man der Handynutzung nicht klare Regeln und Schranken entgegen stellt. So ist es auch schon vorgekommen, dass im Rahmen der Handyprojekte der Landesstelle Kinder- und Jugendschutz Sachsen-Anhalt e.V. Teilnehmer von monatlichen Rechnungen von 100,- bis 200,- Euro berichteten. Bei genauerem Hinsehen stellte sich in aller Regel heraus, dass die Kinder ein Vertragshandy hatten, wobei der Umgang mit dem Handy nicht beschränkt war. Neben mehreren Abo´s, Teilnahme an kostenpflichtigen Gewinnspielen waren Dauertelefonate der Hauptgrund der Kosten. Bei einigen Kindern und Jugendlichen kam es vor, dass Chatangebote per Handy wahrgenommen oder die Handynummer zum Bezahlen angegeben wurden (Vorsicht: www.hausaufgaben.de: diese Firma zockte Ende 2005 Kinder ab, in dem die Handynummern zum bezahlen angegeben werden mussten).

Kinder sind aber lernfähiger, als wir Erwachsen manchmal denken. Gerade die Information in der Gleichaltrigengruppe (Peergroup) kann vor bösen Erfahrungen schützen, die die anderen eventuell gemacht haben. Wir müssen ihnen nur den Rahmen zum Austausch geben und etwas auf bestimmte Themen orientieren. Und dafür wurden verschiedene Möglichkeiten entwickelt.

Kostenfalle Handy - Diplomarbeit

Jörg Hanselmann hat Ende 2003 seine Diplomarbeit mit dem Titel "Die neue Schuldenfalle für Jugendliche – das Handy?" eiingereicht. Der Infodienst Schuldnerberatung, ein Informationsdienst für Schuldnerberater(innen) und Berater(innen) in den Schuldnerberatungsstellen und offenen sozialen Diensten der Caritasverbände in der Erzdiözese Freiburg, den Diakonischen Werken in Baden und Württemberg und in zahlreichen sozialen Diensten und Einrichtungen in der Landeshauptstadt Stuttgart hat die Arbeit zum Download bereit gestellt.

Das Handy als Schuldenfalle von Kindern und Jugendlichen ist damit in aller Munde, obwohl zum Erhebungszeitpunkt bloß bei zwei der Probanden Schulden auf Grund der Handynutzung bestanden. Nun zumindest gibt diese Arbeit wertvolle Hinweise, wo problematische Angebote entstehen könnten.

Ein Handyforum veröffentlichte Ende November 2005 eine Meldung der Schufa. Die Überschrift lautete: "Schufa: Handy wird für viele Jugendliche zur Schuldenfalle". Wenn man genau hinsieht, geht es um junge Erwachsene. Um Personen, die generell Schwierigkeiten im Umgang mit Geld haben. Das Handy ist dabei ein Bereich, wenn auch ein Bereich, den es vor 10 Jahren so nicht gab. Hier geht es zum Beitrag.

aktuelle Daten zu Kostenfragen

Hier sind noch einige Daten, damit Sie Vergleichsmöglichkeiten haben, wieviel Geld Kinder und Jugendliche bzw. junge Erwachsene ausgeben. Die Daten decken sich weitgehend mit den Erfahrungen in der praktischen Projektarbeit der Landesstelle Kinder- und Jugendschutz Sachsen-Anhalt e.V. Die gefährdetsten Gruppen sind ältere Jugendliche bzw. junge Erwachsene, die mit ihrem ersten Geld (Ausbildungsvergütung z.B.) sich eine Wohnung nehmen, sich ein Auto zulegen und eben auch einen Handyvertrag unabhängig von den Eltern. Ausnahmefälle sind aber der LSKJ bekannt geworden, in denen Eltern ihren Kindern einen unbeschränkten Umgang mit dem Handy gewährten und damit enorme Kosten produzierten. Die folgenden Ausschnitte sind der aktuellen JIM-Studie entnommen.



Ein Vorurteil wankt

Am 23.2.2006 veröffentlichte die Magdeburger Volksstimme eine ddp-Meldung "Fastfood ist bei Jugendlichen der wahre Taschengeldfresser - Untersuchung zum Umgang von 10- bis 17-Jährigen mit Geld". In diesem Artikel wird auf eine Untersuchung von Prof. Lange, Soziologe Universität Bielefeld, hingewiesen. Ergebnis in Bezug zur Handynutzung: "Anders als weithin vermutet stellen Handys laut der Untersuchung keine Kostenfalle mehr dar. Verschuldungsgrund Nummer eins sei vielmehr in fast einem Viertel aller Fälle das Fastfood, für das monatlich im Durchschnitt sieben Euro ausgegeben werde, sagte Lange.
Geld für Kleidung und Weggehen hätten sich 16 Prozent geliehen. Erst nach Ausgaben für Computersoftware, Getränke und Süßigkeiten folge mit achgt Prozent das Mobiltelefon. Damit treibe das Handy weit unter ein Prozent aller Kinder und Jugendlichen in die Verschuldung."

Hinweise zu Möglichkeiten der Umsetzung des Kinder- und Jugendschutzes auch von Seiten der Anbieter von Mobilfunk und Mobilfunkinhalten her finden Sie unter Nützliches in der Rubrik Jugendschutzmaßnahmen.